Inhaltsstoffe: Mistellektine und Viscotoxine

Die Mistel enthält neben anderen mehr ubiquitären Substanzen wie Polysacchariden, Aminosäuren usw. zwei ausgesprochen mistelspezifische Substanzgruppen: Viscotoxine und Mistellektine. Beides sind Eiweissverbindungen, die sich durch einen gewissen Grad an Toxizität ausweisen, im Verdauungstrakt jedoch abgebaut werden. Deshalb ist die Mistel trotz ihrer Giftigkeit eine beliebte Nahrungspflanze für Wild und Vieh.

Auffallend ist, dass Viscotoxine an der Peripherie des Mistelbusches, in den Blättern also, angehäuft sind und im Senker völlig fehlen. Durch ihren molekularen Bau und ihre pharmakologischen Wirkungen zeigen sie eine enge Verwandtschaft zu Schlangengiften (z.B. dem Cardiotoxin der Kobra). Viscotoxine wirken zytolytisch, d.h. sie lösen die Membran von Krebszellen auf.

Die von den Mistellektinen ausgehende Giftigkeit ist gegen das Zentrum der Mistel zum Senker hin konzentriert, dort also, wo andere Pflanzen ihre Wurzel bilden; in den Blättern ist sie nur gering vorhanden. Mistellektine sind verwandt mit Rizin, dem Lektin der Rizinuspflanze. Sie wirken zytostatisch, d.h. sie hemmen das Wachstum von Krebszellen.