Aktuelle Mistel-Literatur Dezember 2016

 

Präklinik

Biochemie

Opens external link in new windowVlad DC, Popescu R, Dumitrascu V, Cimporescu A, Vlad CS, Vagvölgy C, Krisch J, Dehelean C, Horhat FG (2016) Phytocomponents identification in mistletoe (Viscum album) young leaves and branches, by GC-MS and antiproliferative effects on HEPG2 and MCF7 cell lines. Farmacia 64 (1), 82-87: Das phytochemische Profil von Extrakten aus jungen Blättern und Stängeln von Viscum album ssp. album vom Apfelbaum umfasst in dieser rumänischen Arbeit über 45 verschiedene Substanzen, die gaschromatographisch mit anschliessender Massenspektrometrie erfasst werden konnten. Allerdings wurden die Extrakte einer sauren Hydrolyse unterworfen, sodass allfällige glykosilierte Verbindungen nur als Aglykone erfasst wurden. Die Hauptbestandteile waren Triterpene, Steroide, Fettsäuren und Vitamin E (Tocopherol), Verbindungen mit beachtlichen pharmakologischen Wirkungen. In dieser Arbeit wurde lediglich eine dosisabhängige, allerdings relativ schwache antiproliferative Wirkung der Gesamtextrakte mit MCF-7 (MammaCa)- und HepG2 (LeberCa)-Zellen nachgewiesen.

 

Opens external link in new windowChai Y, Zhao M (2016) Purification, characterization and anti-proliferation activities of polysaccharides extracted from Viscum coloratum (Kom.) Nakai. Carbohydrate Polymers 149, 121 130: Drei Polysaccharid-Fraktionen wurden aus Blättern der chinesischen Viscum album ssp. coloratum isoliert und gereinigt. Die Strukturaufklärung ergab für VCP1, VCP2 und VCP3 Molekulargewichte von 32, 280 resp. 21 kDa und Zucker-Zusammensetzungen (Hauptbestandteile) mit Glukose, Galaktose, Arabinose und Mannose für VCP1 (neutrales Polysaccharid) und Galaktose, Arabinose, Galakturonsäure und Rhamnose für VP2 und VP3 (saure Polysaccharide vom Pektintyp). Alle drei Verbindungen zeigten antiproliferative Effekte auf Leberkarzinomzellen (HepG2 und HepG2.2.15).

 

Zellkulturen

 Opens external link in new windowCruz JF de la, Kim YS, Lumbera WML, Hwang SG (2015) Viscum album Var hot water extract mediates anti-cancer effects through G1 phase cell cycle arrest in SK-HepL human hepatocarcinoma cells. Asian Pacific Journal of Cancer Prevention 16, 6417-6421: Ein lyophilisiertes Dekokt (30 min. bei 90°C) der asiatischen Viscum album ssp. coloratum zeigte antiproliferative Wirkungen in Leberkarzinom-Zellen (SK-Hep1). Dieselben relativ hohen Dosen führten jedoch zu einer dosisabhängigen Stimulierung von normalen Leberzellen (CCL-13). Der Extrakt induzierte in den Karzinomzellen eine Zellzyklusblockade in der G1-Phase, eine Downregulation der cyclinabhängigen Kinase 2 (Cdk2) und des Cyclins D1 und die Aktivierung der Expression von p21.

 

Opens external link in new windowMulsow K, Enzlein T, Delebinski C, Jaeger S, Seifert G, Melzig MF (2016) Impact of mistletoe triterpene acids on the uptake of mistletoe lectin by cultured tumor cells. PLOS ONE. 13 pp. DOI: 10.1371/journal.pone.0153825: Die postulierte intrazelluläre Aufnahme von Mistellektin in kultivierte Tumorzellen blieb mit Ausnahme von einer der 4 untersuchten Zelllinien unbeeinflusst von aus der Mistel isolierten Triterpenen. Es ist jedoch zu bemerken, dass das gewählte Testverfahren bloss die in der Zellfraktion messbaren Mistellektine erfasst und nicht unterscheiden kann zwischen reiner Adhäsion an die Zelloberfläche und intrazellulärer Aufnahme der Lektine!

 

Opens external link in new windowWeissenstein U, Kunz M, Urech K, Regueiro U, Baumgartner S (2016) Interaction of a standardized mistletoe (Viscum album) preparation with antitumor effects of Trastuzumab in vitro. BMC Complementary and Alternative Medicine 16, 271-280: Bedenken wegen möglicher Herb-Drug Interaktionen bei onkologischen Standardtherapien gehören zu den häufig angeführten Gründen einer Ablehnung der Misteltherapie. Experimentelle in vitro-Untersuchungen zum Nachweis einer Wechselwirkung von Mistelextrakten mit Standardtherapeutika liegen bereits vor für die gängigsten Chemotherapeutika. Die Resultate zeigten keine Beeinträchtigung der Wirkungen der Zytostatika durch die Mistelextrakte (Weissenstein et al. 2014). In der hier vorliegenden Arbeit wird gezeigt, dass Iscador M mit dem zytostatischen Effekt von Herceptin (Trastuzumab) nicht interferiert. Ganz im Gegenteil scheinen Iscador und Herceptin in vitro komplementäre Antitumoreffekte auszuüben.

 

Opens external link in new windowJeung IC, Chung YJ, Chae B, Kang SY, Song J, Jo HH, Lew YO, Kim JH, Kim MR (2015) Effect of Helixor A on natural killer cell activity in endometriosis. International Journal of Medical Sciences 12(1): 42-47. doi: 10.7150/ijms.10076: Die Peritonealflüssigkeit aus Endometriose-Patientinnen erniedrigte die zytotoxische Aktivität einer NK-Zelllinie (NK-92-Zellen mit K562-Leukämiezellen als Targetzellen). Eine Inkubation dieser NK-Zellen mit Helixor A (200 ng/ml) konnte diese Erniedrigung teilweise wieder rückgängig machen. Dabei wurde eine Aktivierung der Expression des Obeflächenmarkers CD107a (dessen Funktion mit der Exozytose von zytotoxischen Granula zusammenhängt) durch Helixor festgestellt.

 

Murine Systeme

 Opens external link in new windowAhn HY, Cho JS, Kim YD, I H, Kim YJ, Kim A, Lee CH (2015) Efficacy of mistletoe for chemical pleurodesis in rats without malignancy. Open Med. 10, 346-351: In gesunden Ratten führte die einmalige Instillation von Abnobaviscum (9 mg/kg Körpergewicht, Wirtsbaum nicht vermerkt) in den Pleuraspalt nach 4 Wochen zur Verklebung von visceraler und parietaler Pleura (mehr als 50% Pleurodese). Die Zahl der Neutrophilen und der Proteinkonzentration in der bronchoalveolären Lavage wurden massiv erhöht. Die histologische Untersuchung zeigte keine stark erhöhte Entzündung des Lungenparenchyms. Es gab keine signifikanten Unterschiede dieser Reaktionen gegenüber der mit Talk-Pulver behandelten Gruppe.

 

Opens external link in new windowHe X, Wang X, Zeng Z, Li P (2016) Mistletoe alkali increases glucose-6-phosphatase, succinate dehydrogenase, and adenosine triphosphatase expression and decreases GGP and NF-κB expression in precancerous hepatic lesions in rats. International Journal of Clinical and Experimental Medicine 9 (3), 5781-5788: „Mistletoe alkali“, ein wasserunlösliches braun-rötliches Pulver extrahiert aus der asiatischen V. album ssp. coloratum und Bestandteil von chinesischen Arzneipflanzenmischungen, zeigte im Versuch mit lebergeschädigten, präkanzerösen Ratten (Diethylnitrosamin-induzierte Schädigungen) bei Fütterung über 4 Wochen einen normalisierenden Effekt auf Glutamyltranspeptidase, Glukose-6-Phosphatase, Succinatdehydrogenase, ATPase und NF-KB (alles histochemische Messungen) und wird entsprechend als potentielles Agens gegen das hepatozelluläre Karzinom bezeichnet.

 

Opens external link in new windowKumar P, Kumar D, Kaushik D, Kumar S (2016) Screening of neuropharmacological activities of Viscum album and estimation of major flavonoid constituents using TLC Densitometry. International Journal of Toxicological and Pharmacological Research 8(3), 179-186: Traditionelle Hinweise auf neuropharmakologische Wirkungen von Viscum album ssp. coloratum wurden aufgegriffen und im Tierversuch mit Mäusen untersucht. Methanol-, Ethylacetat- und 1-Butanol-Extrakte wirkten in Dosen von 10 bis 400 mg/kg (p.o.) anxiolytisch (Wirkung vergleichbar mit Diazepam), antidepressiv, analgetisch, zeigten hypnotische Aktivität und erhöhten die Stresstoleranz.

 

Opens external link in new windowKhan T, Ali S, Qayyum R, Hussain I, Wahid F, Shah AJ (2016) Intestinal and vascular smooth muscle relaxant effect of Viscum album explains its medicinal use in hyperactive gut disorders and hypertension. BMC Complementary and Alternative Medicine 16 (1), 251-258: In dieser Arbeit aus Pakistan wurde an Jejunum und Aortaringen aus Kaninchen die relaxierende Wirkung eines Ethylacetat-Extraktes aus Viscum album auf die glatte Muskulatur gemessen. Es wird vermutet, dass die Hemmung der Kalium-induzierten Kontraktion durch den Mistelextrakt auf eine Blockierung des Kalzium-Kanals zurückzuführen ist.

 

Opens external link in new windowKaragöz A, Kesici S, Vural A, Usta M, Tezcan B, Semerci T, Teker E (2016) Cardioprotective effects of Viscum album L. ssp. album (Loranthaceae) on isoproterenol-induced heart failure via regulation of the nitric oxide pathway in rats. Anatolian Journal of Cardiology 16. DOI: 10.14744/AnatolJCardiol.2016.6780: Ein kardioprotektiver Effekt von Methanol-Extrakt aus Viscum album wurde an herzgeschädigten Ratten gemessen (Herzschädigung durch Isoproterenol). Durch Fütterung von 250 mg/kg/Tag verbesserten sich die histopathologischen Änderungen und senkten sich die Konzentrationen des NO, der iNOS (Stickstoffmonoxidsynthase) und des C-reaktiven Proteins.

 

Opens external link in new windowTwardziok M, Kleinsimon S, Rolff J, Jäger S, Eggert A, Seifert G, Delebinski CJ (2016) Multiple active compounds from Viscum album L. synergistically converge to promotea in Ewing Sarcoma. PLOS ONE DOI:10.1371/journal.pone.0159749: In dieser umfassenden Arbeit zum Ewing Sarkom wurde mit 2 Zelllinien und mit ex vivo gewonnenen primären Ewing Sarkomzellen in vitro die synergistische Wirkung von wässrigem Mistellextrakt und lipophiler Triterpenfraktion aus der Mistel auf die Proliferation der Zellen und auf die dabei auftretenden Apoptose-Marker nachgewiesen. Zudem konnten subcutan in Mäusen implantierte Ewing Sarkomzellen in ihrem Wachstum durch intratumorale Behandlung (Behandlungsbeginn 3 Tage nach Implantation der Zellen) sowohl mit den beiden Extrakten jeweils allein und mit der kombinierten Gabe in gleichem Masse gehemmt werden (66-71% Hemmung). Auch die i.v. Gabe der kombinierten Extrakte führte zu 65% Hemmung. Im Mäusemodell mit primären Ewing Sarkomzellen konnte der Effekt bei i.t. Behandlung bestätigt werden. Die i.v. Behandlung jedoch war unwirksam.

Lebensmitteltechnologie

Opens external link in new windowKang SN (2016) Ethanol extracts from mistletoe (Viscum album L.) act as natural antioxidants and antimicrobial agents in uncooked pork patties during refrigerated storage. Asian Australas. J. Anim. Sci. 29 (1) 109-118: In dieser koreanischen Arbeit wird anhand verschiedener Parameter gezeigt, dass ethanolischer Extrakt aus Viscum album ssp. coloratum als Antioxidans und antimikrobielles Agens die Haltbarkeit von gehacktem Schweinefleisch verbessern kann.

 

Klinik

Kasuistik

Opens external link in new windowWerthmann PG, Sträter G, Friesland H, Kienle GS (2016) Klinisches Ansprechen eines Plattenepithelkarzinoms der Haut auf periläsionale Hochdosis-Misteltherapie – Fallbericht. Merkurstab (1), 21-25: Ein 78 Jahre alter Patient mit einem Plattenepithelkarzinom in Augennähe wurde periläsional zunächst 24 Wochen (1-2mal wöchentlich) mit Abnobaviscum Fraxini (0.02mg-2mg) und im Anschluss daran ebenfalls 24 Wochen mit Abnobaviscum Betulae (2mg-20mg) behandelt. Erst bei stärkerer Entzündungsreaktion (lokale Rötung, Schwellung, Jucken) bei den höheren Dosierungen bildete sich der Tumor zurück bis zur kompletten Remission, die mittlerweile schon 7 Jahre besteht.

 

Opens external link in new windowKnittel L (2016) Fibromyalgiesyndrom - Bericht eines Krankheitsverlaufs unter fieberinduzierender Misteltherapie. Merkurstab (1), 33-36: Eine Patientin mit vielfältigen Symptomen eines Fibromyalgiesyndroms wurde alle 4 bis 8 Wochen mit einer hochdosierten Misteltherapie behandelt. Der Einstieg mit Abnobaviscum Fraxini s.c. führte dreimal zur erwünschten Temperaturerhöhung. Zur Auslösung erneuter Temperaturreaktionen wurde bei der 5. Behandlung Fraxini kombiniert mit Iscador M intravenös angewandt. Wegen eines urtikariellen Exanthems durch die Eschenmistel kam in der Folge alleine Iscador M bis 100mg i.v. zur Anwendung mit Fieber bis zu 39°C. Seit Therapiebeginn vor zweieinhalb Jahren erfolgten wiederkehrende und über Wochen anhaltende Schmerzreduktionen, Verbesserung der Fatigue und Stimungsaufhellungen.

 

Opens external link in new windowWaschakidze T (2016) Intraläsionale Misteltherapie bei einer Patientin mit Liposarkom - eine Fallvignette aus Georgien. Der Merkurstab 69 (3), 205-209: In dieser eindrücklichen Fallbeschreibung wird die komplette Remission eines Liposarkoms am Oberschenkel einer Patientin beschrieben. Dieser Erfolg stellte sich nach 12 intratumoralen Injektionen von Abnobaviscum Fraxini (0.2mg – 20mg) ein, nachdem vorher multiple Vorbehandlungen (4x Operation, 2x Strahlentherapie) bei 5 Rezidiven in den letzten 6 Jahren erfolgten und eine Beinamputation drohte. Trotz anschliessender, subcutaner Behandlung mit demselben Präparat entwickelte sich nach 15 Monaten in Remission jedoch an anderer Stelle ein Rezidiv.

 

Qualitative Studien

Opens external link in new windowKienle GS, Mussler M, Fuchs D, Kiene H (2016) Individualized integrative cancer care in anthroposophic medicine: A qualitative study of the concepts and procedures of expert doctors. Integrative Cancer Therapies. 17pp. DOI: 10.1177/1534735416640091: Diese qualitative Studie zur Evaluierung der Konzepte, therapeutischen Ziele, Verfahren und Arbeitsbedingungen von onkologischen Ärzten im Felde der anthroposophischen Medizin basiert auf der Auswertung von Daten aus Interviews mit 35 erfahrenen Ärzten aus Kliniken und Praxen. In differenzierter Weise zeigen die Daten, dass der integrative Ansatz dieser Ärzte in einem individualisierten und Patienten-zentrierten Vorgehen besteht, in dem konventionelle und multimodale komplementäre Interventionen zum Einsatz kommen und neben physischen und funktionellen Aspekten auch emotionale und spirituelle Bedürfnisse beachtet werden.

 

Opens external link in new windowGschwendtner KM, Holmberg C, Weis J (2016) Beweggründe von Krebspatienten für und gegen die Inanspruchnahme der Misteltherapie. Forsch Komplementmed 23:215–222, DOI: 10.1159/000448745: In Interviews mit 88 Krebspatienten wurden Beweggründe für oder gegen die Inanspruchnahme einer Misteltherapie evaluiert. 18 der 88 Patienten nutzten die Misteltherapie. Anwender sehen diese als sicheres Verfahren. Einfluss auf das Tumorwachstum und eine supportive Wirkung werden erwartet. Nichtanwender befürchten eher Neben- und Wechselwirkungen. Folgendes sei aus dem reichen Material herausgegriffen: Unter anderem wurde die Informations- und Beratungslage als mangelhaft erlebt. Abschreckend wirkte für manche Patienten die Vorstellung, sich selber Injektionen zu setzen. Für andere war der Aspekt entscheidend, aktiv den Heilungsprozess unterstützen zu können.

Überleben

Opens external link in new windowAxtner J, Steele M, Kröz M, Spahn G, Matthes H, Schad F (2016) Health services research of integrative oncology in palliative care of patients with advanced pancreatic cancer BMC Cancer 16 (1), 579-588: Die Implementierung von integrativen onkologischen Konzepten und das Überleben von Palliativpatienten mit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom Stadium IV wurden anhand von Daten aus dem Netzwerk Onkologie untersucht. Die Auswertung von 240 Patienten ergab ein medianes Überleben von 2.5 Mt. für Patienten ohne Chemo- und Misteltherapie, 5.4 Mt. mit Misteltherapie allein, 7.3 Mt. mit Chemotherapie allein und 12.1 Mt. bei kombinierter Therapie mit Chemo und Mistel. Neben einer Bestätigung der Resultate der prospektiven, randomisierten und kontrollierten Studie von Tröger et al. (2013) tritt hier ein beachtlicher additiver Effekt der Misteltherapie bei chemotherapeutischer Behandlung in Erscheinung.

Intravenöse Applikationen

Opens external link in new windowKienle GS, Mussler M, Fuchs D, Kiene H (2016) Intravenous mistletoe treatment in integrative cancer care: A qualitative study exploring the procedures, concepts, and observations of expert doctors. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine. 16 pp. DOI: 10.1155/2016/4628287: In dieser qualitativen Interview-Studie wurden 35 erfahrene onkologische Ärzte mit Spezialisierung in integrativer und anthroposophischer Medizin nach Konzepten, Verfahren und Beobachtungen befragt und die Daten mit dem Fokus auf die intravenöse Misteltherapie ausgewertet. Mistelinfusionen wurden im Rahmen individualisierter, multimodaler Therapieansätze durchgeführt mit dem Ziel, die Krankheit zu stabilisieren, Ansprechbarkeit zu erreichen, Fieber zu induzieren, Lebensqualität zu verbessern und die konventionelle Therapie besser zu ertragen. Vielfältige positive Erfahrungen wurden mitgeteilt wie z.B. Langzeitstabilisierung der Krankheit und Verbesserung von Allgemeinbefinden, Vitalität, Schlaf, Wärme, Schmerz bei Knochenmetastasen, Fatigue und Kachexie.

 

Opens external link in new windowSchläppi M, Ewald C, Kuehn JJ, Weinert T, Huber R (2016) Fever therapy with intravenously applied mistletoe extracts for cancer patients: A retrospective study. Integrative Cancer Therapies. 6 pp. DOI: 10.1177/1534735416658121: In dieser retrospektiven Fallserie-Studie wurden die Fieberreaktionsrate (Kerntemperatur ³38.5°C) und die Nebenwirkungen durch intravenöse Applikation von Mistelpräparaten in 59 Patienten mit 567 Applikationen (Iscador n=487, Abnobaviscum n=55, Helixor n=25) ausgewertet. 45 Patienten erfuhren eine Temperaturerhöhung auf 38.5°C. Nebenwirkungen waren meist fieberinduziert (Kopfweh, Gelenkschmerzen, Schüttelfrost) und nie gravierend. Die i.v. Applikation von Mistelpräparaten kann als sicher betrachtet werden.

Immunologie

Opens external link in new windowOrange M, Reuter U, Hobohm U (2016) Coley's lessons remembered: augmenting mistletoe therapy. Integrative Cancer Therapies, April-June. DOI: 10.1177/1534735416649916: Anknüpfend an Beobachtungen von günstigen Effekten fiebriger Reaktionen auf die Tumorentwicklung (Coley’s bakterielle Toxine, Spontanremissionen nach febrilen Infektionen, epidemiologische Resultate zur inversen Korrelation von Infektionen und Auftreten von Krebs und experimentelle Resultate mit pathogen recognition receptor ligands PRRL resp. pathogen associated molecular patterns PAMPs in Mäusen) wird unter anderem die Hypothese vetreten, dass Mistelextrakte mit ihren Mistellektinen als PRRL im Zusammenwirken mit anderen PAMPs dendritische Zellen genügend stark aktivieren können, sodass sie antigenspezifische T-Zellen in ihrer antitumoralen Aktivität stimulieren. Um in der klinischen Anwendung eine notwendige Breite unterschiedlicher PRRL zu erreichen, wird die Möglichkeit erwähnt, Mistelpräparate mit zusätzlichen PPRLs enthaltenden und bereits zugelassenen Präparaten zu ergänzen.

 

Hospitalisation

 Opens external link in new windowMatter-Walstra KW, Achermann R, Rapold K, Klingbiel D, Bordoni A, Dehler S, Konzelmann I, Mousavi M, Clough-Gor KM, Szucs T, Schwenkglenks M, Pestalozzi BC (2016) Days spent in acute care hospitals at the end of life of cancer patients in four Swiss cantons: a retrospective database study (SAKK 89/09). European Journal of Cancer Care. DOI: 10.1111/ecc.12453, 11 pp.: Im Gegensatz zu früheren Untersuchungen zeigt diese mit Daten von über 2000 Patienten in Schweizer Spitälern durchgeführte Studie, dass Krebspatienten mit komplementärmedizinischer Behandlung während der letzten 90 Tage ihres Lebens länger in Akutspitälern hospitalisiert sind als konventionell behandelte (33.9 Tage vs. 25.1 Tage). Eine Interpretation dieses Resultats ist durch Schwächen und Limitierungen des Studiensettings schwierig.

 

Reviews

 Opens external link in new windowSingh BN, Saha C, Galun D, Upreti DK, Bayry J, Kaveri SV (2016) European Viscum album: a potent phytotherapeutic agent with multifarious phytochemicals, pharmacological properties and clinical evidence. RSC Advances 6, 23837-23857: Dieser 20-seitige Review gibt einen Eindruck vom Umfang der heute bestehenden Forschungsresultate zum europäischen Viscum album als phytotherapeutisches Agens. Folgende Themen werden mit einer Auswahl von Literaturreferenzen zusammengefasst: Ethnopharmakologie, Phytochemie, Pharmakologie (anti-inflammatorische, anti-mikrobielle, anti-oxidative, immunmodulatorische, zytotoxische, anti-tumorale, anti-mutagene, anti-angiogenetische, anti-diabetische, anti-hypertensive und sedative Wirkungen), klinische Resultate und schliesslich Toxikologie. Trotz Betreuung von botanischer Seite wird V. album immer noch zu den Loranthaceae gezählt, obwohl es schon seit vielen Jahren zu den Viscaceae gehörte und heute offiziell als Santalaceae klassiert wird.

 

Opens external link in new windowEvans M, Bryant S, Huntley AL, Feder G (2016) Cancer patients' experiences of using mistletoe (Viscum album): A qualitative systematic review and synthesis. Journal of Alternative and Complementary Medicine 22 (2), 134-144: In diesem systematischen Review zur Wirkung von Mistel in der Krebstherapie aus der Sicht der Patienten konnten nur drei Artikel in die Auswertung eingeschlossen werden. In diesen drei Studien berichteten Patienten über deutliche Verbesserungen des physischen, emotionalen und psychosozialen Wohlbefindens wie auch von Reduktionen der Chemotherapie-bedingten Nebenwirkungen. Die aktive Beteiligung der Patienten durch Selbstinjektion der Mistelpräparate wurde als Verstärkung der Selbstregulation empfunden.

 

Opens external link in new windowWitt CM, Cardoso MJ (2016) Complementary and integrative medicine for breast cancer patients - Evidence based practical recommendations. The Breast 28, 37-44: Einfache, klare Regeln zum Umgang mit den Fragen von Mammakarzinom-Patientinnen betreffend Möglichkeiten der komplementären und integrativen Therapien sind hier für schulmedizinische Ärzte angeführt. Informationen über komplementäre und integrative Interventionen, die positive Effekte in Brustkrebspatientinnen zeigten (u.a. Misteltherapie), sind in einer Übersicht zusammengestellt.

 

Anthroposophische Grundlagen (Buchpublikation)

 Opens external link in new windowSelg P, Orange M, Poechtrager S, Ramm H (Hrsg.) (2016) Mistelforschung und Krebstherapie. Verlag des Ita Wegman Instituts, Arlesheim, Stuttgart, 262 pp.: Dieses Buch gibt dem Leser Einblick in die Grundlagen, Entwicklungen und Resultate der onkologischen Misteltherapie. Elf Ärzte und Naturwissenschaftler, die seit vielen Jahren in der Arbeit mit der Misteltherapie stehen, präsentieren hier ihre sorgfältig ausgearbeiteten Beiträge aus einer gemeinsamen Fortbildungsreihe der Klinik Arlesheim, des Instituts Hiscia (Verein für Krebsforschung) und des Ita Wegman Instituts. Die Themen umfassen die Entwicklungsgeschichte der anthroposophischen Krebstherapie unter Ita Wegman und Rudolf Steiner, die geistige Dimension der Krebserkrankung und ihrer Therapie, Untersuchungen zum Wesen der Mistel, ihrer Wirtsbäume und ihrer pharmazeutischen Verarbeitung und die klinische Wirksamkeit. Alle Beiträge stehen unter dem Aspekt der Weiterentwicklung der anthroposophischen Misteltherapie in der Onkologie nach nun 99 Jahren Anwendung und Entwicklung in der Praxis.