Aktuelle Mistel-Literatur August 2015

Botanik

Opens external link in new windowAl-Masri MS, Amin Y, Ibrahim S, Nassri M (2015) Transfer of 210 Po, 210 Pb and 238 U from some medicinal plants to their essential oils. Journal of Environmental Radioactivity 141, 51-56: In Blättern von Viscum album aus Syrien wurden die radioaktiven Isotopen Polonium 210, Plumbum 210 und Uranium 238 gemessen. Unter 33 verschiedenen Heilpflanzen gehörte die Mistel zu den Uran-reichsten Pflanzen (U 238: 2.8 Bq/kg Trockengewicht), während Polonium 210-Werte im mittleren Bereich der anderen Pflanzen lagen. Die Werte liegen um Grössenordnungen unter den tolerierten Grenzwerten und sind gesundheitlich völlig unbedenklich.

 

Präklinik

Biochemie

Opens external link in new windowAbualhasan M, Jaradat N, Abu-Hasan N, Almasri M, Abu Taha A, Rabbaa A, Natsheh N, Shalalfeh S, Najib M. (2014) Bioactivity of Viscum album extracts from olive and almond host plants in Palestine. Pharmacognosy Journal 6 (2), 117-123: Methanol-Extrakte von Viscum album vom Mandel- und Olivenbaum in Palästina zeigten in vitro antioxidative, antimikrobielle und gerinnungshemmende Wirkungen.

 

Zellkulturen

Opens external link in new windowSaha C, Hedge P, Friboulet A, Bayry J, Kaveri SV (2015) Viscum album-mediated COX-2 inhibition implicates destabilization of COX-2 mRNA. PLoS ONE 10(2): e0114965. doi:10.1371/journal.pone.0114965: Eine antiinflammatorische Wirkung von Iscador Qu spez. (Down-Regulation der COX-2-vermittelten Prostaglandin E2-Sekretion) in A549 Zellen (humanes Lungenkarzinom) scheint über eine Destabilisierung der COX2 mRNA und nicht über einen beschleunigten Abbau des COX2-Proteins vermittelt zu werden. Allerdings ist zu erwähnen, dass Kontrollen über einen rein zytotoxischen Effekt der eingesetzten Dosen (25 und 50 µg/ml) fehlen.

 

Klinik

Safety

Opens external link in new windowMaddukuri VC, Bonkovsky HL. (2014) Herbal and dietary supplement hepatotoxicity. Clinical Liver Disease 4 (1), pp. 3: Die einmal in die Welt gesetzte und später widerlegte Behauptung einer Lebertoxizität von Viscum album wird auch in diesem Review kritiklos übernommen.

Opens external link in new windowKim HJ, Kim H, Ahn JH, Suk HJ (2015) Liver injury induced by herbal extracts containing mistletoe and kudzu. Journal of Alternative and Complementary Medicine 21 (3) 80-85: Ein Patient, der 1 Monat lang Mistel (koreanische Viscum album ssp. coloratum) und 10 Tage vor der Hospitalisierung einen Kudzu (Pueraria lobata)-Wurzelextrakt eingenommen hatte (Dosierungen unbekannt), zeigte stark erhöhte Transaminasen-Werte, die sich nach Absetzen der beiden Präparate wieder normalisierten. Der Verdacht auf Lebertoxizität von Mistel und/oder Kudzu-Extrakt wird diskutiert.

 

Lebensqualität

Opens external link in new windowTröger W (2015) In Reply (Correspondence in Deutsches Ärzteblatt International 112, 8-11). Deutsches Ärzteblatt International 112, 11-13: Die hervorragenden Ergebnisse zum Verlauf der Lebensqualität von Patienten mit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom unter Misteltherapie, die von Tröger im Deutschen Ärzteblatt 111 (29-30), 493-502 (2014), 6828, publiziert wurden, hatten eine konzertierte Aktion von Leserbriefen verschiedener massgeblicher Experten auf dem Gebiet der Onkologie in Deutschland provoziert: Opens external link in new windowPD. Dr. Hübner J („Several Flaws“), Prof. Dr. Opens external link in new windowWörmann M („New Drug for the Treatment of Inoperable Pancreatic Cancer?“), Opens external link in new windowDr. Lelgemann M, PD Dr. Wild C, Prof. Dr. Altes G, Dr. Edler J., Prof. Dr. Ernst E, PD Dr. Gärtner J und Prof. Dr. Schmacke N („Unsustainable Claims“), Prof. Dr. Opens external link in new windowMeyer FP („More Questions Left Open Than Answered“), Opens external link in new windowProf. Dr. Neubauer A  („Many Questions Left Open“), Dr. Opens external link in new windowPollmeier M („Mistletoe Treatment as Homeopathic Magic“). Sämtliche in diesen Leserbriefen geäusserte Kritik über angebliche Mängel der Studie konnte Tröger in seiner Replik Punkt für Punkt entkräften.

 

Überleben und Safety

Opens external link in new windowSchad F, Axtner J, Buchwald D, Happe A, Popp S, Kröz M, Matthes H, Schad F (2014) Intratumoral mistletoe (Viscum album L.) therapy in patients with unresectable pancreas carcinoma: A retrospective analysis. Integrative Cancer Therapies 13 (4), 332-340: In einer retrospektiven Studie mit 39 inoperablen Pankreaskarzinom-Patienten (Stadium III und IV) wird die Machbarkeit, Tolerierbarkeit und Sicherheit einer Ultraschall-geführten, intratumoralen Applikation von Mistelpräparaten gezeigt. Es wurden keine schweren Nebenwirkungen beobachtet. Diese intraläsionale Misteltherapie fand im Rahmen eines multimodalen Settings statt (Chemotherapie, Mistel s.c. und i.v., Palliative chirurgische Eingriffe) und führte zu einem beachtlichen medianen Überleben von 11.8 und 8.3 Monaten bei Stadium III resp. IV.

 

Immunologie

Opens external link in new windowEwald C (2014) Fieberinduktion durch intravenös applizierte Mistelpräparate in der Krebstherapie. Eine retrospektive Analyse. Dissertation, Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg im Breisgau, 63 pp.: In dieser Dissertation wurde retrospektiv die Häufigkeit der Fieberinduktion bei intravenöser Applikation von Mistelpräparaten und deren Sicherheit bei 59 Patienten mit insgesamt 567 Anwendungen erfasst. Bei etwa Dreiviertel der Patienten liess sich Fieber über 38.5 °C erzeugen. Die Nebenwirkungen standen fast alle in direktem Zusammenhang mit der Fieberreaktion und waren nicht schwerwiegend. Wirksamkeit auf Lebensqualität und Tumor konnten anhand der Daten nicht beurteilt werden.

 

Reviews Präklinik

Opens external link in new windowJain SK, Parihar S, Pandey N (2014) Medicinal plants with neuropharmacological properties from Indian origin. Opens external link in new windowInternational Journal of Pharmacy and Pharmaceutical Sciences 6 (10), 36-40: In diesem Review zur Neuropharmakologie von über 40 indischen Medizinalpflanzen, die auf das zentrale Nervensystem wirken, ist auch Viscum album angeführt. Es wird insbesondere auf seine sedative, antiepileptische und antipsychotische Wirkung verwiesen.

Opens external link in new windowUrech K, Baumgartner S Opens external link in new window(2015) Chemical constituents of Viscum album L.: Implications for the pharmaceutical preparation of mistletoe. In: Mistletoe: from mythology to evidence-based medicine. Zänker KS, Kaveri SV (eds). Translational Research in Biomedicine 4, 11-23: In diesem Beitrag wird nicht nur eine Übersicht über die überraschend grosse Zahl von chemischen Verbindungen mit antitumoralem Potential in den drei europäischen Unterarten von V. album gegeben. Er weist auch auf die zeitlich-räumliche Dynamik der Substanzen in der Mistel hin und macht auf pharmazeutische Massnahmen aufmerksam, die sich aus dieser Vielfalt und Dynamik der Mistelsubstanzen ergeben und zur Gewährleistung der pharmazeutischen Qualität eines Mistelgesamtextraktes notwendig sind.

Opens external link in new windowSchramm H (2015) The anti-cancer activity of mistletoe preparations, as related to their polyphenolic profiles. In: Mistletoe: From mythology to evidence-based medicine. Zänker KS, Kaveri SV (eds). Translational Research in Biomedicine 4, 24-38: Schramm eröffnet in diesem Artikel ein bisher wenig bearbeitetes Gebiet der Mistelpharmakologie: Phenolische Substanzen und ihr antitumorales Potential. Dabei macht er auf das grosse Spektrum dieser Substanzen in der Mistel aufmerksam und weist auf die heute umfangreichen Resultate zur pharmakologischen Wirkung von Polyphenolen aus klinischen und präklinischen, in vitro und in vivo, interventionellen und epidemiologischen Untersuchungen. Dabei stehen insbesondere präventive und antitumorale Wirkungen, proapoptotische, anti-angiogenetische, anti-inflammatorische, pro- und antioxidative, anti-Fatigue Effekte und Wirkungen auf den Energiestoffwechsel im Vordergrund.

Opens external link in new windowSchumacher U, Pfüller U (2015) From Berlin and Witten to Southampton and Hamburg: 25 years of mistletoe research cooperation. In: Mistletoe: from mythology to evidence-based medicine. Zänker KS, Kaveri SV (eds). Translational Research in Biomedicine 4, 39-47: Die Professoren Schumacher und Pfüller lassen als aktiv beteiligte in der Nachfolge von Prof. Franz, einem Mistellektinforscher der „ersten Stunde“, uns an der „lectin story“ teilnehmen. Dabei erfahren wir viele interessante und vielen von uns vielleicht bisher nicht bekannte Einzelheiten aus der Welt der Mistellektine. Dazu gehört ein detailliertes Verfahren zur Isolierung der drei Isoformen ML I, ML II und ML III.

Opens external link in new windowSchötterl S, Naumann U (2015) Mistletoe compounds as anti-cancer drugs: effects and mechanisms in the treatment of glioblastoma. In: Mistletoe: from mythology to evidence-based medicine. Zänker KS, Kaveri SV (eds). Translational Research in Biomedicine 4, 48-56: Erste Hinweise auf eine Verlängerung des rezidivfreien Überlebens und der Verbesserung der Lebensqualität in Glioblastom-Patienten durch Misteltherapie werden hier untermauert durch präklinische Resultate aus Untersuchungen im murinen Glioblastom-Modell und im in vitro-Test mit Glioblastomzellen (z.B. antiproliferative Wirkungen, Motilitätshemmung, Genexpressionsstudien, Down-Regulation von Metalloproteinasen).

 

Reviews Klinik

Opens external link in new windowHosseini A, Ghorbani A (2015) Cancer therapy with phytochemicals: Evidence from clinical studies. Opens external link in new windowAvicenna Journal of Phytomedicine 5 (2), 84-97: In diesem Review über Resultate der Phytotherapie in der Krebsbehandlung wird von den iranischen Autoren neben Curcumin, Grüntee und Resveratrol auch Viscum album klinische Evidenz für Antitumoreffekte zugeschrieben.

Opens external link in new windowGalun D, Tröger W, Milicevic M (2015) Cancer surgery and supportive mistletoe therapy: from scepticism to randomised clinical trials. In: Mistletoe: from mythology to evidence-based medicine. Zänker KS, Kaveri SV (eds). Translational Research in Biomedicine 4, 57-66: In diesem eindrücklichen Review zur Wirkung der Mistel in Patienten mit metastasiertem Pankreas-Karzinom werden 23 publizierte Studienberichte von ersten Einzelfallstudien, zu retrospektiven Analysen und schliesslich bis zu randomisierten, kontrollierten, prospektiven Studien dargestellt. Sie zeigen längeres Überleben, bessere Lebensqualität, weniger Schmerz und besseren Appetit durch die Misteltherapie ohne schwere therapiebedingte Nebenwirkungen. Die letzte der Studie scheint die Resultate aller vorausgehenden in ihrer Evidenz und Qualität schwächeren Untersuchungen zu bestätigen.

Opens external link in new windowZänker KS (2015) Dancing with the devil: cancer-related fatigue, from inflammation to treatment options. In: Mistletoe: from mythology to evidence-based medicine. Zänker KS, Kaveri SV (eds). Translational Research in Biomedicine 4, 78-81: Cancer related Fatigue als wenig verstandene, sehr häufige und bis heute schwer zu behandelnde Begleiterkrankung von Krebspatienten wird durch Misteltherapie massiv verbessert. Der Einschluss von Mistel in die konventionellen Antitumor-Protokolle wird deshalb empfohlen. Die Frage der Bedeutung von entzündlichen Prozessen und antiinflammatorischen Effekten der Mistel bei dieser schweren Erkrankung wird diskutiert.

 

Medizinhistorisches

Opens external link in new windowRamm H (2015) Opens external link in new windowMistletoe through cultural and medical history: the all-healing plant proves to be a cancer-specific remedy. In: Mistletoe: from mythology to evidence-based medicine. Zänker KS, Kaveri SV (eds). Translational Research in Biomedicine 4, 1-10: Dieser Artikel dokumentiert die Kultur- und Medizingeschichte der Mistel anhand von Resultaten aus der Archäologie, von Überlieferungen aus der Mythologie, aus der Antike (Hippokrates, Celsus usw.), aus dem Mittelalter (Hildegard v. Bingen usw.), aus dem Übergang zur Neuzeit (Paracelsus u.a.), die das wissenschaftliche Zeitalter der akademischen Medizin eröffnete, in deren Verlauf die Mistel von der Allheilenden zur bedeutungslosen Heilpflanze wurde. Vor diesem Hintergrund bekommt die hier dokumentierte Erarbeitung der neuen Indikation Krebs durch R. Steiner für die Mistel eine besondere Bedeutung.

 

 

 

 

 

 

<//span>