Mistel-Literatur: Aktuelle Publikationen (Mai 2012)


 

Mistelliteratur-Rundmail Mai 2012

 

Präklinik

 

Lin-N. et al. (2011) Down-regulation   of   some  miRNAs  by  degrading  their  precursors contributes to anti-cancer effect of mistletoe lectin-I. British Journal of Pharmacology 162 (2), 349-364: Im Mäuseversuch konnte das Wachstum von zwei s.c. implantierten kolorektalen Krebszelllinien mit 20 μg/kg Mistellektin 1 (CH-1) aus V. album ssp. coloratum (alle 10 Tage eine Injektion, i.v.) und mit 10 μg/kg (alle 3 Tage eine Injektion, i.v.) weitgehend unterdrückt werden. Als Wirkmechanismus wurde die Down-Regulierung der MikroRNA miR-135a&b gemessen, welche die Empfindlichkeit der Tumorzellen gegen CM-1 um den Faktor 2-4 erhöhte.

 

Lu T. L. et al. (2012) Production of active nonglycosylated recombinant B-chain of type-2 ribosome-inactivating protein from Viscum articulatum and its biological effects on peripheral blood mononuclear cells. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine : eCAM 2011, 283747, 9 pp.: In Viscum articulatum (China) wurde ein Mistellektin identifiziert, das eine hohe Sequenzhomologie mit dem ML I von V. album aufweist. Davon wurde die B-Kette als rekombinantes Protein in E. coli exprimiert. Sie zeigte eine Spezifität für Galaktose und N-Acetyl-Galactosamin, eine bevorzugte Affinität zu Monozyten und stimulierte die Freisetzung von Zytokinen in PBMC (peripheral blood mononuclear cells), ohne zytotoxisch zu wirken.

 

 

Małecki P. et al. (2012) Binding of the plant hormone kinetin in the active site of mistletoe lectin I from Viscum album. Biochimica et Biophysica Acta 1824 (2), 334-338: Mistellektin I wurde in die internationale Raumstation (ISS) gebracht und unter Mikrogravitation zu hexagonalen bipyramidalen Formen auskristallisiert. Die Molekularstruktur des MLI in diesen Kristallen zeigte eine Bindungsstelle für das Pflanzenhormon Kinetin im aktiven Zentrum der A-Kette. Ein möglicher Schutzmechanismus der Mistel gegen Pflanzenhormone des Wirtes wird als Interpretation dieses Resultates gegeben.

 

Kuonen R. (2012) Effects of lipophilic extract of Viscum album L. and triterpene acids on migratory activity of NIH/3T3 fibroblasts and on HaCat keratinocytes. Masterarbeit,  Med. Fak. Universität Bern, 34 pp.: Im Anschluss an Beobachtungen von wundheilenden Effekten eines fettlöslichen Gesamtextraktes (Viscin) aus V. album in der klinischen Anwendung konnte in dieser Masterarbeit die Stimulierung der Migration von Fibroblasten durch das Viscin und die darin enthaltene Oleanolsäure nachgewiesen werden. Höhere Konzentrationen führten zu antiproliferativen Wirkungen bei den immortalisierten Fibroblasten und Keratinozyten.

 

Delebinski C. I. et al. (2012) A new development of triterpene acid-containing extracts from Viscum album L. displays synergistic induction of apoptosis in acute lymphoblastic leukaemia. Cell Proliferation 45 (2), 176-187: Oleanolsäure zusammen mit Betulinsäure in gereinigter Form, im natürlichen Mengenverhältnis aus V. album isoliert und mit einem halbsynthetischen Emulgator solubilisiert zeigten in vitro antiproliferative Wirkungen auf eine Leukämiezelllinie (Apoptose) und in vivo zusammen mit einem wässrigen Mistelgesamtextrakt eine leichte Verlängerung der mittleren Überlebenszeit der Mäuse (Leukämiezellen i.v., Behandlung i.p.). Ein Synergismus von Triterpenen und Mistellektin-haltigem wässrigem Mistelextrakt wurde beobachtet. Die Toxizität der verwendeten Dosis (40 mg Oleanolsäure pro kg und 3 μg ML/kg) führte zu einer Gewichtsabnahme der Mäuse.

 

 

 

Klinik

 

Metelmann H-R. et al. (2012) Oral cancer treatment and immune targets - A role for dendritic cells? Journal of Cranio-Maxillofacial Surgery 40 (2), 103-104: Ein partieller Response durch peritumorale Injektionen von AbnobaViscum bei einem Mundhöhlenkarzinom zeigte in der histologischen Nachuntersuchung lokale Keratinisierung und inflammatorische Reaktionen. Das gleichzeitige unbeeinflusste Auftreten einer Nierenmetastase provozierte die Hypothese einer lokalen Umpolarisierung der Makrophagen von der immunsuppressiven M2- zur proinflammatorischen M1-Form mit entsprechender Reifung von dendritischen Zellen.

 

Orange-M. et al. (2012) Durable regression of primary cutaneous B-cell lymphoma following fever-inducing mistletoe treatment: Two case reports. Global Advances in Health and Medicine 1 (1), 18-25: Im ersten Heft der neuen Zeitschrift “Global Advances in Health and Medicine” wurden zwei Fälle von kutanem B-Zell-Lymphom beschrieben, bei denen eine fieberinduzierende Hochdosistherapie mit einer Kombination  von intratumoraler, subkutaner und intravenöser Applikation von AbnobaViscum  zur Regression der Läsionen führte.

 

Kienle-G-S. et al. (2011) Clinical research on anthroposophic medicine: update of a health technology assessment report and status quo. Forschende Komplementärmedizin 18 (5), 269-282: Das für die Schweizer Behörden im Jahre 2005 erstellte “Health Technology Assessment“ zu Wirksamkeit, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Bedarf der Anthroposophischen Medizin wurde in dieser Arbeit aktualisiert (update bis 2009).

 

Huber-R. et al. (2012) Safety and effects of two mistletoe preparations on production of Interleukin-6 and other immune parameters - a placebo controlled clinical trial in healthy subjects. BMC Complementary and Alternative Medicine 11, 116: In einer dreiarmigen randomisierten Doppelblindstudie mit gesunden Probanden wurde gezeigt, dass Iscucin Populi (s.c.) starke Lokalreaktionen, parallel dazu eine deutliche Eosinophilie und eine Erhöhung der CD4 Zellzahl aber keine solche von Interleukin 6 und CRP auslöste. Ein Viscum-Extrakt (Viscum Mali e planta tota zur Osteoarthritis-Therapie) führte zu deutlich geringeren Reaktionen.

 

Bar-Sela-G. (2012) White-berry mistletoe (Viscum album L.) as complementary treatment in cancer: Does it help? European  Journal  of  Integrative Medicine 3, e55-e62: In diesem Review wird eine Übersicht über die Mistel, ihre pharmakologisch aktiven Substanzen, präklinische und klinische Studien gegeben, ohne es zu unterlassen, den oft geäusserten Zweifel an der Zuverlässigkeit der klinischen Daten in die Konklusionen aufzunehmen.