Polare Prozesse in der Mistel

Ein auffallendes Merkmal der Mistel ist die Polarität verschiedener Prozesse. So sind in der Gestaltbildung der Mistel zentrifugale und zentripetale Prozesse weitgehend unterdrückt, indem Sprosswachstum stark gehemmt erscheint und die Wurzelbildung fehlt. Dafür sind dort, wo das zentrifugale Sprosswachstum an der Peripherie des Mistelbusches ansetzen sollte, die Viscotoxine angehäuft, und dort, wo am Senker die zentripetale Wurzelbildung ihren Ausgangspunkt hätte, finden sich in konzentrierter Weise die Mistellektine. Die Bildekräfte scheinen aus der Gestaltbildung abgezogen und in die Giftbildung übergegangen zu sein. Morphologische Besonderheiten bilden die Grundlage für die polar gegliederte Giftnatur der Mistel.

Die zentrifugale Geste der Viscotoxine und die zentripetale Tendenz der Mistellektine stehen einander jedoch nicht nur in der Lokalisation im Mistelbusch gegenüber, sondern auch in den pharmakologischen Wirkungen von Zytolyse und Zytostase.

Im Iscador steht diese Kräftepolarität der Mistel, durch die pharmazeutische Prozesse umgewandelt, dem Patienten zur Verfügung.